Zum Einschwingen in die neue Saison besuchen wir das niederösterreichische Mostviertel und die steirische Apfelstraße. Im Herbst sind die Früchte einfach auseinanderzuhalten – doch wie sieht es während der Blütezeit aus?
Meteorologisch beginnt der Frühling am 1. März. Astronomisch startet er drei Wochen später, wenn Tag und Nacht gleich lang sind. Gefühlt ist für mich Frühling, wenn mich morgens ein Vogel-Konzert weckt. Wenn mich die ersten warmen Sonnenstrahlen an der Nase kitzeln. Und natürlich, wenn die Natur aus dem Winterschlaf erwacht.
Das Steinobst macht den Anfang: Aprikose, Pfirsich und Pflaume eröffnen den jährlichen Reigen der Obstbaum-Blüte, gefolgt von den süßen und sauren Kirschen. Zumeist tragen die kahlen Äste ab Mitte März ihr prächtiges Kleid. Beim Kernobst treiben hingegen zuerst die Blätter aus; die Blüten öffnen sich bei den Apfel- und Birnbäumen Mitte April. Normalerweise. Doch der Winter 2023/24 war deutlich wärmer als üblich, weshalb ich das Mostviertel im niederösterreichisch-oberösterreichischen Grenzgebiet bereits Anfang April besuche. Einige hunderttausend Birnbäume verteilen sich über das sanfte Hügelland mit seinen charakteristischen Vierkanthöfen.












Südlich der Voralpen-Straße B122 beginnt ein wunderschöner Streckenabschnitt durch – glaubt man Lois Lammerhuber, seines Zeichens einer der renommiertesten österreichischen Fotografen – „die schönste Landschaft der Welt“. Ein enges, kurvenreiches Netz aus Güterwegen überzieht eine Hügellandschaft, die als nördlichster Ausläufer der Ostalpen sanft ins breite Donautal abfällt, während die Gipfel der Voralpen den südlichen Horizont dominieren. Bei gutem Wetter sind sogar die schroffen Spitzen des Toten Gebirges zu sehen. Hier gilt Eile mit Weile, denn hinter jeder Kurve lauert schon ein neues Fotomotiv – oder ein Traktor im Gegenverkehr.
Von nun an geht’s bergab. Unser Ziel ist die 25 Kilometer lange „Apfelstraße“. Dieser beschilderte Themenweg führt über mäandernde Asphaltbänder nach Puch, dem Herz des Obstbaugebietes. Abzweigende Güterwege laden zur individuellen Erkundung ein. Sie führen über sanfte Hügel, auf denen außer ein paar Spaziergängern, Radfahrern und Traktoren kaum jemand unterwegs ist. Als „größter Apfel der Welt“ wird jene charakteristisch gebogene Leimholzkonstruktion bezeichnet, die die Fahrbahn in Elz überspannt.
Auch wenn die Ernte 2024 wegen der immer häufiger und massiver auftretenden Folgen der Klimaerhitzung etragsärmer als erhofft ausfällt – im September wird verlässlich der Erntedank begangen. Dann kann man prüfen, wie weit vom Stamm der Apfel wirklich fällt. Der Herbst ist auch die Zeit, in der das Sprachbild „Äpfel mit Birnen vergleichen“ für unfaire, unpassende Gegenüberstellungen Gestalt annimmt, denn beim „fertigen“ Obst ist die Entscheidung tatsächlich einfach. Für Kenner ist der Unterschied aber schon im Frühjahr deutlich: Die weißen Blütenblätter der Apfelbäume sind auf der Rückseite rosa gefärbt, während die Blüte der Birnbäume hingegen rein weiß leuchten.

Recherche der Route, Fotografie und Reportage
