Nepal: River deep, Mountain high

Flankiert von schroffen Felswänden führt ein staubiger Fahrweg durch die tiefste Schlucht der Welt. Wir reisen ins Herz des ehemaligen Königreichs Mustang, das verborgen zwischen schneebedeckten Himalaya-Gipfeln liegt.


Dass auch energisches Hupen einen Verkehrsstau nicht aufzulösen vermag, kann man in Kathmandu beobachten. Täglich, nahezu rund um die Uhr. Polizisten mit Trillerpfeifen dirigieren das chaotische Gewusel. Die schwüle Luft ist geschwängert vom ungefilterten Abgas gepanschten Sprits, aufgewirbeltem Staub sowie Holzrauch und brennendem Plastik.

Kathmandu ist eine gewaltige Umweltkatastrophe, die Feinstaubwerte (PM2,5) sind gesundheitsschädlich.

Die Boudhanath Stupa ist mit 120 Metern Durchmesser eine der größten und bedeutendsten buddhistischen Stupas der Welt. Der Turm mit den Augen Buddhas steht für Weisheit und allumfassendes Wissen. Die Spitze ist mit 13 Stufen verziert, die den Weg zur Erleuchtung darstellen. Noch mehr Stufen (und ein Aufzug) führen auf die Dachterrasse unseres Hotels. Dort angekommen zeichnet die Peakfinder-App die Siebentausender Ganesh I und Langtang Lirung in den dichten Smog, zu sehen ist nicht einmal das Ende des Häusermeeres.

Von Monsun-Niederschlägen oder den häufigen Erdbeben ausgelöste Erdrutsche werden nicht saniert, sondern lediglich befahrbar gemacht.

Im Tal der Kali Gandaki erleben wir innerhalb von zwei Fahrtagen drei verschiedene Klimazonen. Tatopani liegt auf 1200 Metern im Himalaya-Vorgebirge und ist für seine Thermalquellen bekannt. Wasser, das aus der Nähe betrachtet sehr trüb ans Tageslicht kommt und nicht jedermann zum Baden einlädt. Rund um Tatopani regnen die vom Meer kommenden Wolken ihre Feuchtigkeit ab. Rund 1600 Millimeter Jahresniederschlag, mehr als das Doppelte von Wien, sorgen für subtropische Vegetation. Diese geht bis Kalopani in Nadelwald über, der an den Alpenraum erinnert.

Der Mount Everest (in Nepali: Sagarmatha)

In Jomson auf 2750 Metern gestaltet sich die landwirtschaftliche Nutzung des Talbodens beschwerlicher, denn wir befinden uns mittlerweile im Regenschatten der umliegenden Gipfel. Das enge Tal weitet sich zusehends, und die Kali Gandaki mäandert durch ein mehrere hundert Meter breites Schotterbett. Aus der staubtrockenen Geröllwüste ragen steile Felsen auf. Die unterschiedlichen Rot- und Brauntöne erinnern an die schönsten Stellen der Atacama, doch in Nepal kommt im Vergleich zu Südamerika noch etwas dazu: Die gigantischen Eisriesen, die zum blitzblauen Himmel streben. Sie sind weltweit einzigartig.

Die malerische Kulisse der weiß getünchten Häuser von Marpha lockt in- und ausländische Selbstdarstellungs-Opfer an, die sich für Instagram malerisch an Hausecken lehnen oder mit erstaunlich professioneller Hardware Reels und TikToks produzieren. Die freundlichen Dorfbewohner lassen sich vom Touristen-Auftrieb nicht aus der Ruhe bringen.

Die größte motorradfahrerische Herausforderung Nepals sind aber nicht die schlechten Straßen oder der rücksichtslose Verkehr in den Städten, sondern die gewaltigen Hängebrücken, die in schwindelerregender Höhe quer über schroffe Flusstäler gespannt wurden. Sie ersparen der Bevölkerung stunden-, wenn nicht gar tagelange Fußmärsche. Ihre Breite beträgt einen Meter, mit der Enfield Himalaya kommt man bei hilfsbereiten Fußgängern recht gut vorbei. Ein Moped im Gegenverkehr wird zur Herausforderung, ein Tuk-Tuk will man sich nicht einmal vorstellen.

Fotografie und Reportage
Motorradmagazin 1/2025 🇦🇹